Mein Kind schläft nicht

Wenn ein Kind nicht einschlafen kann oder Nachts nicht durchschläft, kann das die Nerven der Eltern schon ganz schön beanspruchen und eine Belastung werden.
Dieser Artikel erklärt die Hintergründe und gibt nützliche Tipps damit das Kind gut einschlafen und durchschlafen kann. 

Babys schlafen in den ersten Lebenswochen nicht durch.
Diese Tatsache ist allgemein bekannt und akzeptiert. Doch sobald sich der dritte Lebensmonat nähert, häufen sich die Fragen nach der Qualität des Babyschlafs.
Spätestens dann reagieren Eltern mit einem verunsicherten Lächeln und einem zerknirschten „Najaaaa“, wenn die nette alte Dame im Supermarkt die alles entscheidende Frage stellt: „Schläft es schon durch?“ Dies gilt besonders dann, wenn der kleine Schatz sich nachts unruhig von einer Seite auf die andere wälzt und mehrmals schreiend erwacht.
Tatsächlich gibt es auch sie, diese selig schlummernden Babys, die jede Nacht bis zu dreizehn Stunden am Stück durchschlafen. Die schlechte Nachricht ist: Sie haben keins davon. Sonst würden Sie diesen Artikel nicht lesen.

Wie viele Stunden Schlaf braucht ein Kind?


Nicht selten suchen besorgte Eltern den/die Kinder- und Jugendarzt/ärztin auf, weil sie meinen, ihr Kind schlafe zu wenig. Tatsächlich ist das Schlafbedürfnis altersabhängig, variiert jedoch individuell sehr stark.

Manchmal kommt ein erst 4 Monate alter Säugling schon mit 10 bis 12 Stunden Schlaf am Tag aus und ist deshalb nicht krank. Erwachsene schlafen durchschnittlich 7 bis 8 Stunden am Tag. (Quelle: Gesellschaft Kinder- u. Jugendmedizin)

Schlafdauer eine Kleinkindes Quelle: Gesellschaft Kinder- u. Jugendmedizin

Die richtigen Schlafbedingungen für ein Baby

  • Das Baby nur in Rückenlage und ohne Kopfbedeckung zum Schlafen legen
  • Bitte nur Kleidung verwenden, in die sich das Baby nicht verwickeln kann ohne Schnüre und Kordeln!
  • Optimal ist ein Babyschlafsack ohne eine Decke, damit sich das Kind nicht Mund und Nase zudecken kann. 
  • Die optimale Zimmertemperatur zum Schlafen sollte 16 – 18°C. betragen.
  • Ihr Baby soll im Schlaf nicht schwitzen: Es geht ihm gut, wenn sich der Nacken warm, aber nicht schweißig anfühlt.
  • Der Matratzenüberzug sollte luftdurchlässig sein. 
    (Quelle: Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedzin)


Einschlafstörungen durch moderne Reizüberflutung

Kam ein Säugling in Zeiten unserer Vorfahren zur Welt, erwartete ihn eine Umgebung voll von natürlichen Geräuschen. Vogelgezwitscher, das Rauschen der Baumwipfel im Wind, das Lachen von spielenden Geschwistern oder Cousins, verschiedene Tierlaute.

Dazu gab es nur natürliche Lichtquellen. Der Wechsel von Sonne und Mond, von Wolken und strahlendem Blau am Himmel. 
Heute wird ein Baby in eine laute, übervolle, grelle Welt voller Reize geboren. Neonlichter, Verkehrslärm, laute Musik. Dieses Übermaß an Reizen überfordert Kinder in den ersten zwei Lebensjahren oft. Und verarbeitet wird es im Schlaf. Das Kind schläft nicht gut? Es könnte an der Reizüberflutung liegen.

Daher ist es immens wichtig, Babys regelmäßige Auszeiten zu geben! 

In den ersten 8-9 Monaten machen die Kleinen in aller Regel drei Tagesschläfchen
Danach erfolgt der Wechsel auf einen Vormittags- und einen Nachmittagsschlaf und hiernach auf einen langen Mittagsschlaf. 
Ab der Nachmittagszeit sollte versucht werden, Reize zunehmend zu vermindern. 
Die Devise heißt: 
Ein Spaziergang in ruhiger Umgebung statt eines Shoppingtrips mit Hintergrundmusik und lauten Gesprächen. 
Auch Fernsehen und Radio sollten spätestens ab der Nachmittagszeit tabu sein. Wird das Baby abends allzu quengelig, helfen ein abgedunkelter Raum und Stille – bis auf Mamas oder Papas ruhige Stimme und vielleicht Weißes Rauschen.

Ein angenehm warmes Bad mit einer anschließenden Massage sowie ein festes Abendritual können das Baby ebenfalls sanft unterstützen, zur Ruhe zu kommen. 
Darüberhinaus gibt es diverse Einschlafhilfen wie das Einschlafstillen oder ein Fläschchen, das bereits genannte Weiße Rauschen oder das Herumtragen in einem Tragetuch. Allerdings sind solche Hilfen nicht überall gern gesehen.

Tragetuch

Zuletzt aktualisiert am 15. November 2019 um 6:00 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.



Kind schläft nicht allein ein - Die intensive Unterstützung durch die Eltern !?


Das sogenannte Attachment Parenting geht davon aus, dass die Bedürfnisse eines Kindes im ersten Lebensjahr Priorität haben und stets erfüllt werden sollten, damit eine sichere Bindung zu den Eltern entsteht.

Dies gilt auch für das Schlafverhalten. Das Kind schläft nicht alleine ein? Dann sollten Eltern ihm helfen.
Das bedeutet, dass der Säugling in den Schlaf gewiegt, gestillt, gewippt oder getragen wird – auch nachts, wenn er dies möchte.
Allerdings fordert diese Erziehungsmethode viel von den Eltern. Ein Baby in den Schlaf zu stillen bedeutet mitunter, dass es dies auch nachts immer wieder einfordert. So berichten Mütter zum Teil, dass ihr Kind bis zu zwanzig Mal pro Nacht aufwacht und an die Brust möchte. Nicht jeder will und kann dies leisten. Wenn Eltern daran etwas ändern, ihr Baby jedoch nicht schreien lassen möchten, können sie sich auch für eine sanftere Methode entscheiden, das Kind in den Schlaf zu begleiten.
So können Mütter beim Stillen immer wieder ein bestimmtes Kuscheltier zwischen sich und ihr Baby legen und jeden Abend ein kleines Stückchen weiter vom Kind abrücken. 
Nach einiger Zeit hat der Säugling mit etwas Glück das Kuscheltier als Übergangsobjekt akzeptiert und lernt, mit diesem einzuschlafen.

Oder ein Elternteil setzt sich auf einen Stuhl neben das Babybett und streichelt das Kind sanft, während es einschläft. Den Protest begleiten Sie ruhig und liebevoll, bis das Baby in den Schlaf gefunden hat. Dies können Sie mehrere Abende hintereinander tun. Hat das Kind gelernt, mit der streichelnden Hand einzuschlafen, können Sie auch diese nach und nach entziehen. Am Ende rücken Sie mit dem Stuhl immer weiter vom Bett weg, bis Sie während des Einschlafens den Raum verlassen können. Wichtig dabei ist, dass das Kind sanft begleitet und nicht weinend allein gelassen wird. 
Solche und ähnliche Methoden können von den Eltern allerdings nur dann durchgeführt werden, wenn diese noch die Kraft dazu haben. Sie sind langwierig und fordern vielleicht in jenen Momenten mehr von den Eltern als diese noch geben können.
Doch was tun, wenn das Baby partout nicht durchschlafen will und den Eltern die Kraft ausgeht?


Entlastung im Alltag für die Eltern

Das Zauberwort heißt Unterstützung. Der Mensch ist nicht dafür gemacht, ohne seinen Clan zu leben. Unsere ganze physische und psychische Konstitution fußt vor allem auf der gegenseitigen Unterstützung.

Die heutige Einstellung, man müsse alles stets allein schaffen, ist vor allem eins: schädlich.
Schaffen Sie sich ein Netzwerk. Spannen Sie Großeltern, Freunde, Tanten, Onkel mit ein. Jede vertrauenswürdige Person, die einen Spaziergang mit dem Baby machen oder es auch nur eine Stunde in einem anderen Raum beschäftigen möchte, sollte dies tun dürfen. Bitten Sie Oma und Opa darum, für Sie zu kochen. Eine Freundin darf gerne einmal aufräumen oder schnell die Böden wischen. Im Zweifelsfall lassen Sie auch mal die Hausarbeit liegen.
Wenn möglich, teilen Sie sich die Nächte auf. Auch Papas dürfen und können wickeln, wiegen, singen und herumtragen. 
Holen Sie Schlaf nach, wann immer es möglich ist. Ein Powernap von zwanzig Minuten setzt ungeahnte Kräfte in einem erschöpften Körper frei.
Sollte es dennoch dazu kommen, dass Sie das Gefühl haben, die Nächte einfach nicht mehr stemmen zu können, hilft Ihnen vielleicht eine Schreiambulanz weiter. Denn diese sind nicht nur auf Schreibabys spezialisiert, sondern auch auf frühkindliches Schlafverhalten.
Suchen Sie eine Still- oder eine Krabbelgruppe auf. Oft hilft es schon, sich auszutauschen und zu hören, dass man nicht allein ist und dass andere Eltern die gleichen Probleme haben.

Wichtig ist, dass Sie sich als Eltern nicht unter Druck setzen lassen. 
Haben Sie kein Problem mit dem Schlafverhalten Ihres Babys, dann überhören Sie entsprechende Kommentare einfach. Wenn Ihnen allerdings die Kraft ausgeht, und das dauerhaft, sollten Sie handeln – und sich auch dabei nicht verunsichern lassen. 
Denn was zu Ihnen und Ihrer Familie passt, entscheidet nicht die alte Dame im Supermarkt, sondern allein Sie.


4 Tipps bei nächtlichem Erwachen im Säuglings- und Kleinkindalter

  • Kind nicht sofort aus dem Bett herausnehmen.
  • Kein helles Licht, jedoch beruhigende Worte oder Einschlafritual (bekanntes Lied oder Geschichte) einsetzen.
  • Nuckel oder andere Einschlafhilfe (kleines Kuscheltier o. ä.) geben.
  • Wenn Hunger oder Durst unwahrscheinlich sind, nicht zum Trinken oder Essen animieren. Gesunde Säuglinge über 6 Monate brauchen in der Regel nachts keine Mahlzeit.
    (Quelle: Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedzin)

5 Tipps damit Kinder besser Einschlafen

  • 1. Gleiche Abläufe als abendliche Rituale. Jeder Mensch braucht eine Weile, um abends von den Geschehnissen des Tages abzuschalten. Für Kinder gilt dies erst recht. Immer gleiche Abläufe am Abend bieten dem Kind eine Orientierung und schaffen Gewohnheiten, die ihm helfen, ruhig zu werden und sich auf das Schlafengehen einzustimmen.
  • 2.Elektronik ausschalten: unser Alltag ist mit unzähligen elektronischen Geräten bestückt, die vor sich hin piepsen, blinken, Musik und Bilder ausstrahlen. Schalten Sie eine Stunde vor der Bettzeit Ihres Kindes Geräte wie Fernseher, Handy und Computer aus. Diese Geräte lenken nur ab und halten den Geist künstlich lange aufmerksam und wach. Kuscheln Sie stattdessen lieber mit ihrem Kind und verbringen Sie die Zeit bewusst gemeinsam.
  • 3. Die Gute Nacht Geschichte: die gute, alte Gute Nacht Geschichte hat auch heute keineswegs ausgedient und hilft Kindern beim Einschlafen. Ältere Kinder im Schulalter können natürlich auch selbst lesen. Achten Sie aber darauf, dass Ihr Kind wirklich liest, vorzugsweise in richtigen Büchern, oder auch in E-Books; Fernseher oder auch Hörbücher im Bett können eher den gegenteiligen Effekt haben und zum Wachbleiben animieren.
  • 4.Nicht zu spätes Abendessen: zu spätes Essen liegt zur Zubettgehzeit noch im Magen und kann das Einschlafen erschweren. Idealerweise sollte mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen nichts mehr gegessen werden, und das Abendessen sollte aus einer leicht verdaulichen Mahlzeit ohne viel Kohlehydrate und Fette bestehen.
  • 5. Gedämpftes Licht: Dimmen des Lichts und Zuziehen der Vorhänge schafft eine behagliche Atmosphäre, die auf das baldige Zubettgehen vorbereitet. Sanftes, gedämpftes Licht beruhigt und schafft einen Kontrast zu den aufregenden Tagesereignissen. So eingestimmt fällt Kindern das Einschlafen leichter.

  • Nützliche Links:
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

    www.gesunder-kinderschlaf.de
    www.leitlinien.net (s. Nr. 028/012: »Nichtorganische Schlafstörungen«)
    www.babyschlaf.de
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